Bürgermeister und Rat im alten Umstadt

Das Amt des Bürgermeisters

Unser Bürgermeister Joachim Rupperts wird, wie ich ihn kenne, seine Freude an seinem Amt haben, wenn auch – wie in fast jedem Beruf – mit einigen Einschränkungen. Bei seinen Vorgängern war es sicherlich ebenso. Schauen wir in das 17. Jahrhundert zurück, so kamen die Herren, die dieses Amt innehatten, zu ganz anderen Schlüssen. Dies hing wenig oder gar nicht mit den schwierigen Zeiten des 30-jährigen Krieges zusammen, sondern mit der völlig anders gearteten Ausgestaltung des Amts.

Im 17.Jahrhundert gab es in Umstadt, wie in anderen vergleichbaren Städten auch, einen Ober- und einen Unterbürgermeister, jeweils gewählt von dem Rat der Stadt. So klangvoll sich der Titel des Oberbürgermeisters auch heute anhört, so wenig war aber im Grunde dahinter. Im sonst recht guten Festbuch von 1955 „1200 Jahre Umstadt“ heißt es, der Oberbürgermeister sei für die geschäftliche Leitung der Stadt verantwortlich gewesen ohne Bindung an den Landesherrn. Dies stimmt so nicht. Es war gerade umgekehrt. Ober- und Unterbürgermeister hatten damals vor allem die lästige Aufgabe, die Steuern der Herrschaft (Beede, Contribution und andere Abgaben) bei den Bürgern der Stadt einzutreiben.  Da sie für ihre wenig beliebte Tätigkeit kaum ein Entgelt bekamen und bei fehlerhafter Abrechnung aus eigener Tasche nachzahlen mussten, hatten sie nur eines im Sinn: ihren Posten möglichst schnell wieder loszuwerden. Bei der Eintreibung der Steuern musste ihnen der Stadtschreiber behilflich sein, was zu allerlei Streitigkeiten führte. Der spätere Oberbürgermeister Andreas Kern sprach nicht zu Unrecht von. einem „höchst gefährlichen Amt, das ihnen „wie ein Joch an den Hals geworfen werde“, und das  „von geringen handwercksleuten bei einer Rechnung von 5 biß 6000 fl (=Gulden)“ geführt werden müsse.

Der Ober- und der Unterrat

Der Rat der Stadt hatte die Aufgabe, die Bürgermeister zu wählen. Deren Amtszeit war nach ungeschriebenem Stadtrecht auf zwei Jahre festgeschrieben. Die Wahl fand jeweils zu  Walpurgis (1. Mai) statt, in der Regel zu den ungeraden Jahreszahlen. Der Rat war – von Ausnahmen abgesehen – mit 18 Personen besetzt; Zwölf davon bildeten den  , sechs den Unterrat. Der hieß auch der „Schöpfenstuhl“, weil er auch gerichtliche Aufgaben wahrzunehmen hatte. Seine Mitglieder – natürlich alle männlich – kamen aus den angesehensten Bürgerfamilien der Stadt. Sie verblieben dort auf Lebenszeit. Verstarben einer, so wählte der Rat einen Nachfolger in den Unterrat. Ein anderer stieg bei Bedarf in den auf.  Den Unterrat nannte man auch den „Jungen Rat“. Er war als Vertreter der Interessen der Bürger gedacht. Wegen der engen Verflechtung mit dem war es aber damit nicht weit her.

Wer im Oberrat saß, war ein Kandidat für das Amt des Bürgermeisters. Alles zwei Jahre wurde ein anderer gewählt  Es kam also jeder einmal dran. Niemand war berechtigt, die Wahl abzulehnen. Eine anschließende Wiederwahl war allerdings nicht zulässig.  Nur in einer späteren Wahlperiode konnte man noch einmal drankommen. So war der Metzger Hans Hax von 1635 -1637 und dann wieder von 1643 -1645 Oberbürgermeister von Umstadt.

Allerdings hatte der 30-jährige Krieg, vor allem durch die verheerenden Auswirkungen der Pest, den Stadtrat praktisch lahmgelegt. 1635 lebten vom nur noch der Hans Hax, wohnhaft in der Pfälzer Gasse, und der Schmied Paul Geippel aus der Vorstadt. Deshalb kamen. Hannß Frieß, Philipp Weyckenandt, Hannß Hundt und Heinrich Kunckel vom Unterrat in den Oberrat,  der fortan nur aus 6 Personen bestand. Hanns Rörich blieb im Unterrat, in den man aus der Bürgerschaft Peter Bergsträßer, Hanns Frieß aus der Vorstadt- und Balthasar Heyl zog.

Die Wirren von 1670 – 1690

In der Liste der Bürgermeister im Festbuch zur 1200-Jahr-Feier, erstellt von Georg Füßler, fällt eine beträchtliche Lücke für die Zeit von 1670 bis 1690 auf. Damit hat es folgende Bewandtnis:

Der Rat sucht einen Bürgermeister

Als die Wahl der Bürgermeister zu Walpurgis 1670 anstand, war die Stelle des pfälzischen Beamten nicht besetzt. Die Wahl musste verschoben werden, weil kein Bürgermeister ohne herrschaftliche Bestätigung („Confirmation“) sein Amt antreten durfte. Alleine dies zeigt deutlich, wie es mit den „Freiheit“ gegenüber den Herrschaften bestellt war. Als der neue pfälzische Amtsverweser Dr. Mom im Juni 1670 ankam, holte man die Wahl nach. Aus der Bürgerschaft mussten nachgezogen werden: der Bäcker Johannes Seyfried, Hannß May und Steffan Hoffmann. Unglücklicherweise war damals der Schultheiß Hanns Georg Ganß erkrankt. Es war altes Herkommen, dass der Schultheiß die neuen Ratsherren vereidigte. Er hielt den Stab als herrschaftliches Zeichen in Händen, den die Ratsmitglieder bei ihrem Eid zu berühren hatte (sog. „Handtastung“). Weil der Schultheiß in Umstadt von beiden Landesherren ernannt worden war, gab es bei diesem Verfahren keine Rangprobleme. Was aber war jetzt zu tun, wenn, kein Schultheiß da war? Dr. Mom,  der in dem Geschäft neu war, ließ es zu, dass der streitbare Chelius, der Hessen-Kassel´sche Reservatenamtsverweser, den Eid abnahm. Chelius hielt sich sowieso ranghöher als ein bürgerlicher Schultheiß, und hatte kein Verständnis, dass die Wahl abgeblasen werden sollte, nur weil Hannß Georg Ganß nicht auf der Höhe war.

Gewählt wurden damals Hanns Peter Seyler als Ober- und Velten Liehn als Unterbürgermeister. 1672 traten, an ihre Stelle Leonhart Geippel und der Bäcker Johannes Seyfried. Auch diese Wahl war von Streitigkeiten um die Handtastung geprägt.

Der Tod von Hanns Georg Ganß 

Anfang 1675 verstarb Hanns Georg Ganß. Damit verschärfte sich die Krise der Umstädter Verhältnisse. Der Umstädter Schultheiß, der das Amt seit 44 Jahren innehatte,  war praktisch unersetzbar. Einen Beamten der Herrschaft konnte man leicht wieder nach Umstadt schicken. Ganß hatte den unschätzbaren Vorteil, dass er von beiden Herrschaften anerkannt und als Schultheiß bestellt war. Wer die Umstädter Verhältnisse ungenügend kennt, wird denken: Na und?  Man muss aber die unterschiedlichen religiösen Bekenntnisse von Kurpfalz und Hessen-Darmstadt beachten: Die Pfälzer wollten keinen Lutheraner, die Hessen keinen Reformierten als Schultheiß. Nur bei Hanns Georg, der aus der angesehenen Familie Ganß stammte, machte sie eine Ausnahme. Er war Lutheraner. Gleichwohl vertrauten auch die reformierten Pfälzer das Amt an, das er im Namen beider Herrschaften leiten konnte. Mit seinem Tod war das vorbei. Sein Sohn Johann Georg Ganß stand nicht zur Verfügung. Er gründete die Schwanen-Brauerei.

Weil es nun in Umstadt keinen Schultheiß gab, konnte auch kein Bürgermeister gewählt werden. Geippel und Seyfried blieben – entgegen ungeschriebenem Stadtrecht – zu ihrem Leidwesen Bürgermeister . Sie schrieben im Juni 1675 an die Landesherren, sie hätten „mit fast höchstem Verderben solche Beschwerlichkeit getragen“; nunmehr solle endlich neu gewählt werden ungeachtet der Streitigkeiten der Beamten, wem der Vorsitz zustehe.  Dazu kam es endlich am 02.06.1676, nachdem der „Schöpfenstuhl und Unterrat“ durch Johannes Pröher, Johannes Seyfried, dem Sattler Peter Rapp, Johannes Mohr und Leonhardt Eydtmann aus der Bürgerschaft ergänzt worden, waren. Dies geschah allerdings ohne Eidesleistung , „weil die Beamten strittig“. Es war nämlich niemand da, der den Eid für sie hätte abnehmen können, nachdem Hanns Georg Ganß verstorben war. Ein Nachfolger war nicht in Sicht, vor  allem deshalb, weil die calvinistische Kurpfalz, keinen Lutheraner mehr haben wollte. Hessen behalf sich in der Folgezeit damit, dass man Hanns Peter Seyler, den Ratsältesten als Vertreter des Schultheißen ansah. Aber die  Pfalz erkannte dies nicht an.  Gleichwohl wählten die Ratsmitglieder Hanns Emrich, der seit 1659 im war, zum Oberbürgermeister und Hanns Georg Drach zum Unterbürgermeister.

Sie blieben dies 8 lange Jahre  bis 1684, obwohl sie  immer wieder um ihre Entlassung, baten.  So  schrieb  Hanns  Emrich im April 1681, er habe als 78-jähriger  das  Bürgermeisteramt  nunmehr 5 Jahre  lang  „am Halse“,  er  komme  in  „Ruin  wegen  seiner Nahrung“   und  bitte  dringlichst  um  Entlassung.

Ein Neubeginn

Erst im  Jahr 1684 kam es zu einer Wende gegen den Widerstand der Pfälzer. . Es ging aber nicht mehr anders, weil Ober- und Unterrat  nicht mehr vollständig waren, so dass auch kein Bürgermeister gewählt werden konnte.

Dies waren damals die Mitglieder des Oberrats:

Hanns  Emrich
Jacob  Greiffenstein Hanns   Peter Seyler Steffan  Hoffmann Johannes Pröher Johannes Seyfried, Sattler Hanns  Georg  Drach Johannes Mohr alias  Klepperstein

Zum Unterrat gehörten

Johannes  Seyfried, Bäcker
Peter Rapp
Leonhard Eydtman

Wie wurden Rat und  Bürgermeister gewählt?

Grundlage für die Wahl zusätzlicher Ratsmitglieder war  zunächst eine formlose Auswahl von Kandidaten aus den angesehensten Familien der Stadt. Dies waren:

Hans Georg May, Balthasar Bierberg, Veiten Poth, Hannß Peter Kern, Peter Bergsträßer, Johannes Mohr (Schmied), Hanns Georg Hardy, Hans Georg Ganß, Ulrich Weber, Andreas Frieß, Hans Peter Frieß, Johannes Meyer, Burkhard Keller, Johannes Knod, Balthasar Hax, Johannes und Hans Peter Schütz.

Nach einer Aussprache wählten die Ratsherren „die  Besten  und- Tüchtigsten“ aus dieser Liste aus. Dabei achteten sie auf das rechte Verhältnis von Lutheranern und Reformierten. Einen Proporz gab es also schon damals. Die Auserwählten notierte sie auf einen Zettel, der – leicht gekürzt – wie folgt aussah:

 Velten Pothweil dessen Schwer (= Schwiegervater) Heinrich Kunkel), der Oberst im Rat gewesen und die fürnehmsten Ämbter dieser  Stadt selbst verwaltet hat,             von denen er eine gute Wissenschaft hat;
Hans Peter Kernweil dessen Vater auch im Rat gewesen. Er hat Söhne, die schreiben und rechnen können, die können Register führen
Johann Mohr, Schmiedweil dessen Vater auch im Rat gewesen, wohlgewandert, guten Verstandes, auch eine sauber und. schönste Hand unter hiesigen Bürgern schreibt.
Hanns Georg Hardyalter Schweizer Sohn, auch viel gewandert, des Schreibens in etwa erfahren, daher er sich einem. Unterbürgermeister wohl schickt.
Balthasar Haxweil dessen Vater auch im Rat gewesen. Besondere Recommendation des Herrn Übelacker. (= pfälzischer. Interimsamtsverweser).
Johannes KnodGuten Gerüchts und des Felds erfahren

Die Liste ähnelt den Parteilisten der heutigen Zeit. Wer vorne stand, war favorisiert. So fiel auch das Votum der Ratsherren aus, als sie zur abschließenden Beratung und zur Wahl der Bürgermeister am 30.4.1684 zu Walpurgis im Rathaus zusammen kamen. Stadtschreiber Wolff, den die Pfälzer allerdings nicht anerkannten, führe das Protokoll. am  Zur abschließenden Beratung und Wahl kamen die Ratsherren am 30.04.1684 auf dem Rathaus zusammen mit  dem  Stadtschreiber  Wolff, der allerdings von Kurpfalz nicht anerkannt war. Der Wahltag war zuvor der Bevölkerung durch den Stadtbüttel bekannt gemacht worden. Den Ratherren und Kandidaten war aufgegeben, „morgentags mit ihren Mänteln unter dem Rathaus zusammen zu kommen und vor der beschehenen Bürgermeisterwahl nicht wieder davongehen sollen“.

Folgende Ratsmitglieder. waren erschienen: 

vom Oberrat

Hanns  Emrich
Jacob  Greiffenstein
Hanns   Peter Seyler
Steffan  Hoffmann
Johannes Pröher
Johannes Seyfried, Sattler
Hanns  Georg  Drach
Johannes Mohr alias  Klepperstein

vom Unterrat

Johannes  Seyfried, Bäcker
Peter Rapp
Leonhard Eydtman

Der Stadt Schreiber Wolff verlas nunmehr die. Liste der Nachfolgekandidaten. Nach Beratung beschloss man, Johannes Knod herauszunehmen, weil er „singulären Sinnes“ sei, womit gemeint war, er sei ein Gottloser. Dafür wurde Burkhard Keller eingeschrieben, „so ein Gebäu wol verständiger Mann“ sei.  Als sich die Ratsherren darüber einig waren, schickten sie zwei Schützen zu den neuen Räten, um sie aufs Rathaus zu holen. Gegen alle Tradition bestimmten sie allerdings, dass Velten Poth, Hanns Peter Kern und Johannes Mohr (sämtlich Lutheraner) direkt Mitglieder des s werden, während die übrigen (Hardy, Hax und Keller – sämtlich Reformierte) wie üblich zunächst in den Unterrat kommen sollten. Es lag auf der Hand, dass dies den reformierten Kurpfälzern bitter aufstoßen würde.

Sie beschwerten sich darüber, der Rat habe „sein ius eligendi (Wahlrecht) mißbraucht“, weil gewisse Personen „primo saltu auß der gemeinen bürgerschaff t in den gezogen“ worden seien, wodurch der Unterrat „nicht wenig verschnupft worden sei.“  Wir sehen, dass die Aufteilung von Mandaten nach einem Proporz keine moderne Erscheinung ist.

Die Wahl konkret

Am nächsten Tag schritt der nunmehr vervollständigte Stadtrat zur Wahl der beiden Bürgermeister. Alle Ratsmtglieder waren stimmberechtigt. Jeder hatte zwei Stimmen. Der Oberbürgermeister musste aus dem , der Unterbürgermeister aus dem Unterrat gewählt werden. Es entschied die einfache Mehrheit der geheim abgegebenen Stimmen. Jeder war wählbar mit Ausnahme der bisherigen Bürgermeister Emrich und Brach. Der Stadtschreiber hatte die Wahl zu protokollieren, die in der Säulenhalles des Rathauses stattfand. Die Stadträte, „vom. Ältesten bis zum Jüngsten“ erhoben sich nacheinander von ihren Sitzen, gingen zum Stadtschreiber und sagten ihm ihre beiden Stimmen ins Ohr. Danach hatten sie den Wahlraum zu verlassen.

Nachdem jeder seine Stimmen abgegeben hatte, teilte der Stadtschreiber den Beamten das Wahlergebnis mit, die zu „confirmieren“ hatten. Nun rief man die Ratsherren wieder herbei. Alle begaben sich jetzt vor das Portal des. Rathauses. Die Ratsherren bildeten, einen Halbkreis um die Beamten und den Schultheiß. Dann verkündete der Schultheiß der auf dem Marktplatz erschienenen Bürgerschaft das Ergebnis der Wahl.

So verlief dies über Jahrhunderte nach altem Herkommen. 1684 war allerdings nur der hessische Beamte zugegen und es fehlte der Schultheiß, an dessen Stelle wohl der Ratsälteste handelte. Neuer Oberbürgermeister war Hanns Peter Seyler, neuer Unterbürgermeister Hanns Georg Hardy.

1686 ging das Spiel, von vorne los. Seyler bat um seine Entlassung. Obwohl er von Kurpfalz nicht anerkannt worden sei, habe er „beeth und contribution fleißig eingeholt“. Jetzt sei eine neue Wahl fällig. Es dauerte aber bis zum 02.05.1687, bis neu. gewählt wurde. Die Wahl fiel diesmal auf Hanns Georg Drach und Balthasar Hax. Allerdings ist wegen der pfälzischen Einwände nicht sicher, ob sie auch ihr Amt antraten. Möglicherweise  war daher bis 1690  noch  Seyler  formell  Bürgermeister.

Nach 1690 trat jedenfalls wieder die alte 2-Jahres-Periode in Kraft. Die bereits genannte Liste im Festbuch „1200 Jahr Umstadt“ ist noch für die Jahre 1693 bis 1697 und 1699 bis 1701 offen. Zur Vervollständigung seien folgende .Namen nachgetragen:

1693 - 1695 Johann  Georg  Drach
1695 - 1697 Johannes  Mohr
1699 - 1701 Balthasar  Emmerich.

Der neue Schultheiß

Auf einen Schultheiß hatte man sich allerdings immer noch nicht geeinigt. Der kam erst 1702 mit dem Notar Johann Philipp Kuntzenbach. Damit war aber nicht viel gewonnen. Ihm warf man vor, er sei „der trunckenheit. sehr ergeben“, manchmal gehe- er „taumelnd, voll und toll nach Hause, er fluche und lästere, und habe kaum Bedenken, „die Protokolle zu veränderen und darin auszukratzen“. Es mehrten sich die Proteste der Bürger nicht nur gegen die Beamten, sondern auch gegen den Stadtrat, der 1715 nur mit 7 Personen im und 2 Personen im Unterrat besetzt war. Nach Ansicht der Bürger hatte der „Gesamte Rat seinen Eyd und seine Pflichten vergessen“, jedes Glied „sehe zum großen ruin der Stadt nur sein eigenes Interesse, teils mit unaufhörlichem Fressen und Saufen auf gewisse Stadtkosten, teils mit ungescheiter Anwendung der Stadteinkünfte“, wie die Ober- und Unterbürgermeisterrechnungen zeigten. Man erreichte 1715 sogar die Einsetzung einer Untersuchungskommission, die die Bürgermeister, soweit sie nach 1690 amtierten (und nicht nur sie) zur Rechenschaft zog. Doch dies ist eine andere Geschichte, die vielleicht ein andermal erzählt werden kann.